Mein
Vater Erklärt Mir Jeden Samstag Unsere Neun Planeten
Die meisten von Ihnen kennen diesen
kauzigen Satz. Jeder Anfangsbuchstabe in diesem Merkspruch dient als
Eselsbrücke für einen Namen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter,
Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Neun Planeten? Nicht mehr, denn der
Planetenklau geht um.
Die Internationale Astronomische Union hat neue Kriterien dafür
festgelegt, wann ein Planet ein Planet ist. Dafür muss er neuerdings
drei wesentliche Voraussetzungen erfüllen:
• Es muss sich dabei um einen Körper handeln, der dieSonne umkreist,
nicht einen anderen Planeten, sonst wäre er nämlich ein Mond. Dagegen
ist nichts einzuwenden.
• Der Himmelskörper muss soviel Masse aufweisen, dass er kugelförmig
ist. Das bedeutet, dass sein Durchmessermindestens 1000 Kilometer
betragen muss. Das ist auch O.K. Ein kartoffelförmiger Planet würde
sicher nur im Landwirtschaftsministerium Anklang finden.
• Und, aufgemerkt, jetzt kommt’s: Nach der neuen Definition muss er
seine Umlaufbahn um die Sonne von kleineren Objekten "gereinigt"
haben. Das heißt, er muss so groß sein, dass er alles (mittels seiner
Schwerkraft) eingesammelt hat, was ihm so an Asteroiden, Kometen und
anderen Planeten auf seinem Weg in die Quere kommt.
Das hat Pluto Kopf
und Kragen gekostet. Der liegt nämlich im Kuiper-Gürtel. In einer
enormen Wolke eisiger Asteroiden. Und die zeigen sich völlig
unbeeindruckt von Pluto und wollen partout nicht "weggesäubert" werden.
Er gilt damit als zu schwächlich, seine Nachbarschaft von kleineren
Objekten zu säubern, worauf ihm die Astronomische Union
konsequenterweise
der Rang eines Planeten aberkannt hat. Immerhin ist er rund. Die
Wissenschaftler gaben ihm daher gnädigerweiseden Status eines
"Zwergplaneten".
Ich bin mir nicht sicher, ob die Sache damit
ausgestanden ist. Im Jahre 2009 kommen nämlich die Wissenschaftler der
IAU erneut zusammen um die Planetenfrage zu beraten. Ich fürchte fast,
spätestens da wird auffallen, was ihnen bisher entgangen ist: Neptun
ist
es nämlich auch nicht gelungen, seine Bahn um die Sonne sauber zu
halten. In regelmäßigen Abständen kreuzt der degradierte Pluto
seine Bahn, zusammen mit seinen vier Monden. Da hilft kein Jammern,
wissenschaftlich festgelegte Definitionen sind unerbittlich: Neptun
muss raus.
Somit ist Uranus der äußerste Planet. Wir schlagen der IAU
hiermit schon mal vor, Neptun den Status als "GrößterZwergplanet des
Sonnensystems" zu verleihen. Das war’s aber noch nicht, denn ich denke,
wir müssen konsequent sein. Es wäre ein Zeichen von Schwäche, jetzt nur
halbe Sache zu machen. Die astronomisch Vorgebildeten unter unseren
Lesern werden sich erinnern: Der riesige Komet Shoemaker-Levy 9
kollidierte im Juli 1994 mit dem Jupiter. Und die Astronomen versichern
uns, das sei kein Einzelfall, sondern ähnliche Vorfälle würden immer
wieder passieren. Kein Mensch kann da guten Gewissens von einer
"gereinigten Bahn" sprechen.
Schade. Auf Jupiter müssen wir also auch
verzichten im Reigen der Planeten. Geben wir ihm zum Ausgleich den
Titel "Größter quer gestreifter Gaszwerg des Sonnensystems".
Haben wir damit
das Ende der Fahnenstange erreicht? Keineswegs. Kurz vor Weihnachten
2006
lief eine Meldung der NASA über die Nachrichtenticker, derzufolge auf
dem Mars so häufig Meteoriten einschlagen, dass davon eine erhebliche
Gefahr für zukünftige Astronauten ausgeht. Auf seiner Bahn um die Sonne
scheint sich das kosmische Geröll nur so zu tummeln. Von "gereinigter"
Bahn keine Spur. So leid es uns tut, wir müssen konsequent bleiben. Wir
machen also auch den Mars mobil, entfernen ihn aus der Liste und
geben ihm dafür den Titel "Roter Staubzwerg".
Über unserem kleinen
astronomischen Diskurs ist es jetzt dunkel geworden. Zeit für einen
Spaziergang. Bei der Gelegenheit werde ich gleich mal zum Himmel
schauen
und gucken was noch übrig ist. Und den neuen Merkspruch üben: Mein
Vater
Erzählt Samstags Unsinn.
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