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Cartoon: Maria Pflug-HofmayrMein Vater Erklärt Mir Jeden Samstag Unsere Neun Planeten

Die meisten von Ihnen kennen diesen kauzigen Satz. Jeder Anfangsbuchstabe in diesem Merkspruch dient als Eselsbrücke für einen Namen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Neun Planeten? Nicht mehr, denn der Planetenklau geht um.

Die Internationale Astronomische Union hat neue Kriterien dafür festgelegt, wann ein Planet ein Planet ist. Dafür muss er neuerdings drei wesentliche Voraussetzungen erfüllen:

• Es muss sich dabei um einen Körper handeln, der dieSonne umkreist, nicht einen anderen Planeten, sonst wäre er nämlich ein Mond. Dagegen ist nichts einzuwenden.

• Der Himmelskörper muss soviel Masse aufweisen, dass er kugelförmig ist. Das bedeutet, dass sein Durchmessermindestens 1000 Kilometer betragen muss. Das ist auch O.K. Ein kartoffelförmiger Planet würde sicher nur im Landwirtschaftsministerium Anklang finden.

• Und, aufgemerkt, jetzt kommt’s: Nach der neuen Definition muss er seine Umlaufbahn um die Sonne von kleineren Objekten "gereinigt" haben. Das heißt, er muss so groß sein, dass er alles (mittels seiner Schwerkraft) eingesammelt hat, was ihm so an Asteroiden, Kometen und anderen Planeten auf seinem Weg in die Quere kommt.

Das hat Pluto Kopf und Kragen gekostet. Der liegt nämlich im Kuiper-Gürtel. In einer enormen Wolke eisiger Asteroiden. Und die zeigen sich völlig unbeeindruckt von Pluto und wollen partout nicht "weggesäubert" werden. Er gilt damit als zu schwächlich, seine Nachbarschaft von kleineren Objekten zu säubern, worauf ihm die Astronomische Union konsequenterweise der Rang eines Planeten aberkannt hat. Immerhin ist er rund. Die Wissenschaftler gaben ihm daher gnädigerweiseden Status eines "Zwergplaneten".

Ich bin mir nicht sicher, ob die Sache damit ausgestanden ist. Im Jahre 2009 kommen nämlich die Wissenschaftler der IAU erneut zusammen um die Planetenfrage zu beraten. Ich fürchte fast, spätestens da wird auffallen, was ihnen bisher entgangen ist: Neptun ist es nämlich auch nicht gelungen, seine Bahn um die Sonne sauber zu halten. In regelmäßigen Abständen kreuzt der degradierte Pluto seine Bahn, zusammen mit seinen vier Monden. Da hilft kein Jammern, wissenschaftlich festgelegte Definitionen sind unerbittlich: Neptun muss raus.

Somit ist Uranus der äußerste Planet. Wir schlagen der IAU hiermit schon mal vor, Neptun den Status als "GrößterZwergplanet des Sonnensystems" zu verleihen. Das war’s aber noch nicht, denn ich denke, wir müssen konsequent sein. Es wäre ein Zeichen von Schwäche, jetzt nur halbe Sache zu machen. Die astronomisch Vorgebildeten unter unseren Lesern werden sich erinnern: Der riesige Komet Shoemaker-Levy 9 kollidierte im Juli 1994 mit dem Jupiter. Und die Astronomen versichern uns, das sei kein Einzelfall, sondern ähnliche Vorfälle würden immer wieder passieren. Kein Mensch kann da guten Gewissens von einer "gereinigten Bahn" sprechen.

Schade. Auf Jupiter müssen wir also auch verzichten im Reigen der Planeten. Geben wir ihm zum Ausgleich den Titel "Größter quer gestreifter Gaszwerg des Sonnensystems".

Haben wir damit das Ende der Fahnenstange erreicht? Keineswegs. Kurz vor Weihnachten 2006 lief eine Meldung der NASA über die Nachrichtenticker, derzufolge auf dem Mars so häufig Meteoriten einschlagen, dass davon eine erhebliche Gefahr für zukünftige Astronauten ausgeht. Auf seiner Bahn um die Sonne scheint sich das kosmische Geröll nur so zu tummeln. Von "gereinigter" Bahn keine Spur. So leid es uns tut, wir müssen konsequent bleiben. Wir machen also auch den Mars mobil, entfernen ihn aus der Liste und geben ihm dafür den Titel "Roter Staubzwerg".

Über unserem kleinen astronomischen Diskurs ist es jetzt dunkel geworden. Zeit für einen Spaziergang. Bei der Gelegenheit werde ich gleich mal zum Himmel schauen und gucken was noch übrig ist. Und den neuen Merkspruch üben: Mein Vater Erzählt Samstags Unsinn.



Cartoon: Maria Pflug-Hofmayr