27.9.2007
- Dawn auf dem Weg zu Vesta und
Ceres
Das dritte Raumfahrzeug, das in diesem
Jahr das Gravitationsfeld der Erde verlässt, machte sich heute früh
ostamerikanischer Zeit auf den Weg in den Asteroiden-Hauptgürtel, um
dort den beiden größten Himmelskörpern, dem Kleinplaneten Ceres und dem
Asteroiden Vesta, einen Besuch abzustatten.
Die Raumsonde Dawn verließ die Startanlage 17B der
Cape Canaveral
Luftwaffenbasis an der Spitze einer Delta 2 7295 Heavy
um 7:34 Uhr
amerikanischer Ortszeit (13:34 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Der Start
hatte sich um 14 Minuten verzögert, weil ein Schiff unerlaubt in die
Abwurfzone der Feststoffbooster gefahren war.
Eine Minute und 23 Sekunden nach dem Liftoff waren die sechs am Boden
gezündeten Hilfstreibsätze ausgebrannt und wurden abgeworfen. Nur
Momente später wurden die drei verbliebenen Booster gezündet. Zwei
Minuten und 41 Sekunden nach dem Start waren auch diese
Feststoffmotoren ausgebrannt und wurden abgeworfen.
Vier
Minuten und 32 Sekunden nach dem Abheben erfolgten die Stilllegung
der ersten Stufe und gleich darauf die Zündung von Stufe zwei. Vier
Minuten 48 Sekunden nach dem Liftoff wurde die Nutzlastverkleidung
abgeworfen. Nach neun Minuten und vier Sekunden erfolgte der erste
Brennschluss der zweiten Stufe. Der angestrebte Parkorbit wäre eine
Kreisbahn in exakt 160 Kilometern Höhe gewesen. Tatsächlich erreicht
wurde eine Ellipse mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 159,8 Kilometern
und einem höchsten Bahnpunkt von 161 Kilometern. Somit ein extrem
präziser
Einschuss.
Danach begann eine mehr als 40 Minuten lange Phase in der die Rakete in
freier Drift dem Einschussfenster für die interplanetare Übergangsbahn
entgegen trieb. Dieses Einschussfenster lag über Westaustralien.
51 Minuten und 43 Sekunden nach dem Liftoff erfolgte die zweite Zündung
der zweiten Stufe. Brennschluss 2 erfolgte bei 54 Minuten und 25
Sekunden. Danach wurde die Kombination in eine Drallstabilisierung
versetzt und danach erfolgte die Trennung von der zweiten Stufe. Kleine
Feststoffmotoren an der Basis der dritten Stufe sorgten danach für eine
weitere Erhöhung der Rotation, um die Kombination für die bevorstehende
Zündung des PAM 48B Triebwerks zu stabilisieren.
Die
Zündung des Drittstufenmotors erfolgte um 56 Minuten und 20
Sekunden und die Brennphase dauerte bis 57 Minuten und 19 Sekunden.
Danach war die angetriebene Phase der Mission beendet. Die Stufe fuhr
nun so genannte "De-spun-weights" aus, Gewichte an langen Seilen, um
die Rotationsrate zu senken. Gleich danach gab sie die die Raumsonde
frei. 61 Minuten und 58 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe
hatte die Trägerrakete ihre Aufgabe erledigt.
Die Mission war bereits der fünfte Start einer Delta
2
in diesem Jahr
und die 131. Delta 2-Mission seit der Einführung
dieser Reihe im Jahre
1989.
Die Mission
Dawn, ein Forschungsfahrzeug der Discovery-Klasse,
wog beim Start etwa
1.300 Kilogramm. Das Raumfahrzeug selbst ist in etwa würfelförmig mit
einer Kantenlänge von zirka 2,4 Metern. Die Spannweite über die beiden
Solarzellenausleger mit ihren fast 6000 Gallium-Arsenid-Zellen beträgt
jedoch annähernd 20 Meter. Die Solargeneratoren leisten in Erdnähe zehn
Kilowatt, im mittleren Asteroidengürtel aber nur noch ein Drittel
dieses Wertes. Eine Reihe von Nickel-Wasserstoffzellen dient als
Energiepuffer.
Hervorstechende Merkmale an der äußeren Struktur sind vor allem die
parabolische High-Gain-Antenne, die einen
Durchmesser von 1,52 Metern
hat, und das Ionen-Antriebssystem, die primäre
Antriebseinheit der
Raumsonde, die aus drei unabhängigen, jeweils 30 Zentimeter
durchmessenden Einzel-Einheiten besteht. Diese Einheiten werden für
eine angetriebene Phase von 2.100 Tagen einen schwachen aber stetigen
Schub liefern und dabei etwa 425 Kilogramm Xenon verbrauchen.
Der Maximalschub jedes dieser Triebwerke beträgt ganze 91 Millinewton,
in etwa die Kraft die nötig ist, ein einzelnes Blatt eines
kleinen
Notizblockes zu halten. Bei Maximalschub würde es vier volle Tage
dauern, bis die drei Triebwerke Dawn von 0 auf 100 Stundenkilometer
beschleunigen. So wenig das auch scheint, über die Dauer der
Mission
kommt ein enormer Geschwindigkeitsimpuls zu Stande. Er entspricht in
etwa der Anfangsgeschwindigkeit, welche die über 200 Tonnen schwere
Trägerrakete der Sonde zu Beginn der Reise mitgab: Mehr als zehn
Kilometer pro Sekunde.
Der für die Steuerungsfunktionen der Raumsonde zuständige Bordcomputer
enthält zwei strahlungsgehärtete RAD 6000-Prozessoren mit
jeweils acht
Gigagbit Speichervolumen.
Drei Hauptinstrumente an Bord der Sonde werden die
eigentliche
Forschungsarbeit vornehmen, nämlich die in Deutschland konstruierte und
gebaute Kameraanlage, eine der komplexesten, die
jemals auf eine
Planetenmission entsandt wurden. Sie besteht aus Redundanzgründen aus
zwei komplett gleichen, aber unabhängig voneinander arbeitenden
Systemen, von denen jede acht Gigabit Speichervermögen hat. Bei ihrem
Bau
waren insgesamt drei deutsche Institute eingeschaltet: das Max Planck
Institut für Sonnenforschung, das DLR Zentrum für Planetenforschung in
Braunschweig und die Technische Universität Braunschweig.
Dann befindet sich noch ein Gammastrahlen- und Neutronendetektor
an
Bord, der von den amerikanischen Los Alamos National
Laboratories in
New Mexico stammt sowie ein Spektrometer von Galileo
Avionica aus
Italien.
Ceres
und
Vesta sind die beiden massereichsten Objekte des
Asteroiden-Hauptgürtels. Ceres ist sogar so groß, dass er als
"Zwergplanet" kategorisiert ist. Vesta ist ein Gesteinskörper, während
Ceres zu einem großen Teil aus Wassereis besteht. Die extremen
Unterschiede im Aufbau der beiden Körper sind ein interessanter
Untersuchungsgegenstand, weil die beiden Körper nach astronomischen
Maßstäben mit ihren Bahnen eng bei einander liegen, dabei aber
offensichtlich einen komplett unterschiedlichen Ursprung haben.
Ceres muss sich, beim gegenwärtigen Verständnis der
Planetenbildung
weit draußen im Sonnensystem gebildet haben, während Vesta eigentlich
im inneren Sonnensystem entstanden sein muss. Wie also kann es kommen,
dass beide Himmelskörper heute quasi Nachbarn im Weltraum sind?
Das Meiste, was wir heute über Vesta und Ceres an Details wissen,
stammt
von Teleskopen auf der Erde oder aus der Erdumlaufbahn, wie dem Hubble
Space Teleskope.
Vesta wurde am 29. März 1807 von den deutschen Astronomen Heinrich
Wilhelm Olbers entdeckt. Seinerzeit war es der vierte Asteroid, der
gefunden worden war. Vesta ist unregelmäßig geformt, mit Abmessungen
von 578 zu 560 zu 458 Kilometern. Er rotiert einmal alle 5 Stunden und
20 Minuten um seine Achse.
Ceres wurde am 1. Januar 1801 vom italienischen Astronomen Giuseppe
Piazzi entdeckt. Es war dies damals der erste Körper des
Asteroiden-Hauptgürtels überhaupt, der bekannt wurde. Ceres
ist annähern sphärisch aufgebaut und hat einen Größe von 975 zu 909
Kilometern. Er rotiert alle neun Stunden und viereinhalb Minuten einmal
um seine Achse.
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