
4.8.2007
- Der Flug des Phoenix hat begonnen
Mit einem spektakulären Start in
der frühen Morgendämmerung des 4. August in Cape
Canaveral begann die zehnmonatige Reise des Marslanders Phoenix,
die über eine Wegstrecke von 680 Millionen Kilometern zum
Nordpol des Roten Planeten führen wird.
Der beim
Start mehr als 1000 Kilogramm schwere Phoenix wird,
wenn er schließlich auf der Oberfläche des Roten
Planeten angekommen ist, nur noch 350 Kilogramm wiegen. Phoenix
ist der womöglich der letzte "stationäre" Lander. Die
drei vorausgegangenen Mars-Landemissionen und alle Mars-Landemissionen,
die sich derzeit in Planung befinden, sind Rover, also bewegliche
Einheiten. Die spezielle Mission des Phoenix
benötigt aber keine Beweglichkeit, denn er ist ein komplexes
Labor, das erstmals auf dem Mars eine "Grabung" durchführen
soll und die bei dieser Grabung entnommenen Bodenproben chemisch
analysieren soll.
Der Name Phoenix
ist auch eine Reminiszenz an den am 3. Dezember 1999 über dem
Mars-Südpol abgestürzten Mars Polar Lander. Phoenix
ist das stark modifizierte
Engineering-Modell dieses Raumfahrzeugs, das somit im
übertragenen Sinne zu einem zweiten Leben aus der Asche seines
Vorgängers erwacht. Der Mars Polar Lander
war abgestürzt, weil sich vermutlich seine Landetriebwerke zu
früh abschalteten. Die genaue Ursache konnte jedoch nie
ermittelt werden. Der Start der Delta 2 Heavy
erfolgte um 11:26 Uhr mitteleuropäischer Zeit, noch vor
Sonnenaufgang in Cape Canaveral. Zu diesem
Zeitpunkt zündete das Haupttriebwerk der Delta
zusammen mit sechs der neun Alliant Techsystems-Feststoffbooster,
die der 235 Tonnen schweren Trägerkombination zu einem Schub
von über 350 Tonnen verhalfen.
35
Sekunden nach dem Liftoff durchbrach die Delta 2
die Schallmauer. Nach einer Minute und 12 Sekunden waren die am Boden
gezündeten Feststoffbooster ausgebrannt. Fast im selben Moment
zündeten die drei verbliebenen Feststoffmotoren um das RS
27A-Triebwerk der ersten Stufe zu unterstützen. Danach wurden
die sechs ausgebrannten Booster abgeworfen.
2
Minuten und 14 Sekunden nach dem Abheben vom Startkomplex 17 der Cape
Canaveral Airforce Station waren auch die drei restlichen
Booster ausgebrannt und wurden abgesprengt.
Es war
dies der 325. Start einer Delta-Trägerrakete,
die 129. Mission einer Delta 2, die dritte Delta
2-Mission des laufenden Jahres und die bereits 63. Delta
2, die in der Version 7925 flog.
Der
Brennschluss der ersten Stufe erfolgte vier Minuten und 27 Sekunden
nach dem Abheben. 20 Sekunden später, nach dem Abwurf der
ersten Stufe, zündete die zweite Stufe des Trägers.
5
Minuten und 25 Sekunden nach dem Start wurde die Nutzlastverkleidung
abgetrennt. Phoenix war damit zum ersten Mal dem
freien Weltraum ausgesetzt.
Nach 9 Minuten und 28
Sekunden erfolgte SECO 1 (Second Engine Cutoff 1).
Damit war Phoenix an der Spitze einer Kombination
aus zweiter und dritter Stufe auf einer extrem niedrigen Parkbahn um
die Erde angekommen. Die Kreisbahn befand sich in einer Höhe
von lediglich 144 Kilometern, so niedrig wie nie zuvor. Bislang
übliche Parkbahnen liegen mindestens 20 Kilometer
höher. Die Gesetze der Bahnmechanik verlangen aber
möglichst niedrige Bahnen, um einen effizienten
Treibstoffverbrauch zu bewirken.
Nun war eine Coast-Periode
von mehr als einer Stunde zu absolvieren, bevor das nächste
Brennmanöver erfolgte: länger als bei irgendeinem Delta-Start
zuvor. Erst 74 Minuten nach dem Liftoff war die nächste
Zündung vorgesehen. In dieser Zeit befand sich die Rakete in
einer kontrollierten Drift-Phase, in der das Lageregelungssystem des
Trägers die Rakete in der korrekten Position
behält. Gleichzeitig wurde der Träger in eine
langsame Rotation geführt, um die Temperatur an Bord der
Raumsonde und des Trägers zu regeln.
Nach
74 Minuten, die Kombination befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits
wieder im Anflug auf die amerikanische Westküste, begann die
zweite Zündung der zweiten Stufe, die über gut zwei
Minuten ging. Danach wurden die Spin-up-Thrusters
gefeuert, welche die ganz Kombination auf eine Rotation von 60
Umdrehungen pro Sekunde versetzen.
78 Minuten und 8
Sekunden nach der Zündung des Erstufentriebwerks auf der Rampe
der Startanlage 17 erfolgte die Zündung der dritten Stufe der Delta
2 Heavy, ein Feststoffmotor des
Typs Thiokol Star 48.
Gut
90 Sekunden später war auch diese Stufe ausgebrannt, Danach
wurden zwei so genannte Yo-yo-despun-weights
ausgefahren, welche die
Rotationsrate der Kombination von 60 Umdrehungen pro Sekunden auf 12
Umdrehungen reduzierten.
84 Minuten und 30 Sekunden
nach dem Start trennte sich Phoenix von der
Trägerrakete. Es
gab zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Daten vom Träger an die
Bodenstationen, da Phoenix außerhalb der
Reichweite der
NASA-Bahnverfolgungsstationen war. Erst 90 Minuten und 20 Sekunden nach
dem Start konnte Phoenix berichten, dass alle
Systeme in gutem Zustand
waren.
Der Start war somit ein voller Erfolg. Phoenix ist
in hervorragendem Zustand. Jetzt folgt
eine zehnmonatige Cruise-Phase, bevor im Mai nächsten Jahres
die
Landung in den nördlichen polarnahen Zonen des Mars erfolgen
soll. Wir werden berichten.
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