27.6.2007
- Bigelow does it encore - Zweites privates Testhabitat im Orbit
Am
Nachmittag des 28.6.2007 um 17:02 Uhr mitteleuropäische Zeit
(MEZ) gelang der privaten Raumfahrt ein weiterer entscheidender Schritt
nach vorne. Genau diesem Zeitpunkt verließ das
zweite aufblasbare Habitat von Robert Bigelow an der Spitze einer
russischen Dnepr-Trägerrakete
den Startsilo in Plesetzk. Die Dnepr ist eine
konvertierte
Interkontinentalrakete des Typs RS-20
Voevoda. Zu ihren Einsatzzeiten während des Kalten
Krieges war
sie die schwerste Interkontinentalrakete weltweit, bei der NATO
gefürchtet und mit der Code-Bezeichnung SS-20 Satan versehen.
Die zweistufige Rakete (drei, wenn man das Orbit Adjustment
Module mit
dazu zählt) brachte die experimentelle Raumstation auf einen
Orbit in 560 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung von 64,5
Grad.
Gleich nach der Ankunft in der Umlaufbahn wurde Gas aus einer Reihe von
Tanks in das Modul gepumpt. In aufgeblasenem Zustand ist Genesis
2 gut
4,4 Meter lang und hat einen Durchmesser von 2,5 Metern. Wie die
Bodenstation in Las Vegas bestätigte, funktionierte das
Aufblasen der Station und auch das spätere Entfalten der
Solargeneratoren einwandfrei. Bei Entstehen dieses Beitrags wurden die
Batterien der kleinen Versuchsstation aufgeladen.
Die Ingenieure in der Bigelow-Kontrollstation erhielten die ersten
Signale um 23:20 Uhr MEZ, als das Modul eine Bigelow-Bodenstation in
Washington D.C. überflog. Genesis 2 sandte
auch einige kleine
Bilder von einer Kamera, die an der Außenhülle
installiert ist, und die der Bordcomputer gespeichert hatte. Die Bilder
zeigten die Entfaltung der Solargeneratoren.
Robert Bigelow ist der Besitzer der Hotelkette Budget Suites
of
America. Er gründete das Unternehmen Bigelow
Aerospace im
Jahre 1999 und entwickelt seitdem das aufblasbare Habitat, mit dem er
eines Tages nicht nur im Erdorbit, sondern auch auf der
Oberfläche von Mond und Mars für Wohnraum sorgen will.
Mit Genesis 2 sind jetzt zwei der Prototypen im
Weltraum. Das
nächste Testmodell soll Ende nächsten Jahres in den
Orbit gesendet werden, ein erstes bewohnbares Habitat mit zwei
Docking-Adaptern ist für 2010 geplant.
Genesis 1 und 2 sind
äußerlich fast identisch. Genesis 2
ist aber technisch stark verbessert
mit neuer Avionik, einem
neuen Pumpsystem für das "Aufblasen" der Station, mehr Kameras
und neu konstruierten Drallrädern für die
Lagekontrolle. Als Nutzlast befinden sich eine Reihe von Objekten
zahlender Kunden in dem Modul.
Der Start von Genesis 2 sollte eigentlich schon
Ende 2006 erfolgen,
musste aber wegen Problemen am Träger mehrmals verschoben
werden. Das etwa 1.500 Kilogramm schwere Modul hat ein Raumvolumen, das
etwa dem eines Familien-Vans entspricht. Die 22 Kameras, die innen und
außen angebracht sind, werden Bilder zu den
Bigelow-Bodenstationen in Las Vegas, Virginia, Alaska und Hawaii
senden. An Bord von Genesis 1 hatten sich nur 13
Kameras befunden.
Auch
etwas Wissenschaft wird betrieben, denn an Bord von Genesis
2
befindet sich auch die so genannte "Biobox", ein biologisches Labor, in
dem sich einige Kolonien von Ameisen, Küchenschaben und
Skorpionen befinden. Eine weitere Nutzlast ist eine Reminiszenz an Las
Vegas, dem Hauptquartier von Bigelow Aerospace. Es handelt sich dabei
um ein Weltraum-Bingo-Spiel mit einem Mechanismus, der unter einer
Reihe von Bällen eine zufällige Auswahl trifft.
Dieses "Space-Bingo", das nur unter den Bedingungen der
Schwerelosigkeit funktioniert, könnte eine zukünftige
Geschäftsidee darstellen.
Bigelow erwartet, dass beide Einheiten einige Jahre funktionieren
werden. Er arbeitet aber bereits an der nächsten Generation
aufblasbarer Module hin zum ersten großen Ziel des
Unternehmens: der Errichtung privater Orbitstationen für
Weltraumtouristen und Wissenschaftler.
Galaxy, das nächste Modul in der
Entwicklungskette, wird um 45
Prozent größer sein als Genesis
und damit etwa das
Raumvolumen eines mittelgroßen Campingbusses aufweisen. Bei
diesem Habitat wird zum ersten Mal ein funktionstüchtiges
Lebenserhaltungssystem eingesetzt, dazu größere
Solargeneratoren und ein fortschrittliches Kommunikationssystem.
Galaxy, das im Prinzip schon von Menschen bewohnt werden
könnte, wird Ende 2008 in den Weltraum starten.
Im Jahre 2010 wird der noch wesentlich größere Sundancer
in den Orbit gebracht. Er kann
tatsächlich Menschen
beherbergen. Das erste Serienmodell der Bigelow-Raumstation, das Modul
BA 330, soll im Jahre 2010 in den Orbit gehen.
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