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30.6.2007 - Blauer Mond - das Ergebnis des FotowettbewerbsDen Blues blasen, blau sein (blauäugig vielleicht sogar), ein blaues Wunder erleben oder blau machen: Das alles rührt keinen Astronomen. Anders sieht es da schon aus, wenn der ganze Mond blau wird. Das tut er im Allgemeinen zwar selten, aber wenn es vorkommt, dann ist es zumindest eine Meldung wert, oder gar ein Lied. „Blue Moon“, eine Ballade aus dem Jahre 1934 (Rodgers / Hart), wurde schon von vielen gesungen, von Frank Sinatra, Liza Minelli, Billie Holiday, Dean Martin und Elvis Presley. Der Song hat seinen prominenten Auftritt auch an Bord von Apollo 13, im gleichnamigen Kinofilm, wo er sich herzergreifend aus dem in der Schwerelosigkeit tanzenden, an Batteriemangel sterbenden Kassettenspieler herausquält. Der Blaue Mond also.Im Englischen Sprachgebrauch steht der Blaue Mond für ein seltenes Ereignis (daher kommt er in so vielen Liebesliedern vor, die doch meistens vom seltenen Augenblick des Glücks handeln). Im Astronomischen Sprachgebrauch ist der Blaue Mond hingegen etwas sehr Konkretes, wenn auch genauso selten wie der Glücksmoment: ein zusätzlicher Vollmond, wo eigentlich keiner sein sollte. Wie denn das? Grob gerechnet gibt es einmal im Monat Vollmond und daher 12 Vollmonde pro Jahr. Aber nur grob gerechnet. In Wirklichkeit ergeben zwölf Mondmonate (so genannte synodische Monate) leider nur 354 Tage, zum Sonnenjahr des gregorianischen Kalenders fehlt ein gutes Dutzend Tage. Aufgrund dieser Verschiebung kommt es regelmäßig vor, dass ein Jahr dreizehn Vollmonde zu bieten hat, und dann logischerweise einen Monat des Jahres mit zwei Vollmonden. Doch welcher von diesen vielen Vollmonden ist der glückliche Blaue Mond? Hier gehen alter Volksmund und moderner Volksmund auseinander. Der alte Volksmund geht auf einen amerikanischen Bauernalmanach zurück, der seit 1818 publiziert wird. Dort wird das Jahr in vier Viertel geteilt, von denen normalerweise jedes drei Monate und daher drei Vollmonde hat. In einem Blauen Jahr der dreizehn Vollmonde hat jedoch ein Jahres-Viertel vier Vollmonde, und unter diesen vier Vollmonden ist der blaue Kandidat zu suchen. Es ist – und hier wird’s verwirrend – der dritte dieser vier Vollmonde, der sich mit dem Titel schmücken darf. Der moderne Volksmund plappert einen Fehler nach, der sich in den vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in einen Artikel der Zeitschrift „Sky & Telescope“ eingeschlichen hat. Dort wird als Blauer Mond nämlich der zweite Vollmond eines Monats bezeichnet. Und nachdem dieser Volksmund der moderne ist, ist diese Erklärung auch die heute gängige (Vorsicht: Traditionalisten unter den Himmelsbeobachtern folgen unbeirrt der Vier-Viertel-Berechnung). Man könnte der Leichtigkeit halber auch einfach den dreizehnten Vollmond eines blauen Jahres als Blue Moon bezeichnen, aber dann hätte immer nur der Dezember was davon, sich mit diesem Mond zu schmücken, und auch in der Astronomie möchte man fair bleiben. Der einzige Monat, an dem Fairness vorbeigeht, ist übrigens der Februar, denn mit seinen bestenfalls 29 Tagen kann er nie einen Blauen Mond haben. Dem Februar kann es sogar passieren, dass er gar keinen Vollmond hat, dafür bekommen dann der Jänner und der März gleich beide einen Blauen Mond – ein Schauspiel, das im Schnitt alle 35 Jahre stattfindet. Dafür hat der Februar immerhin den Karneval, und das ist doch genug Grund zu feiern. Bei entsprechend schöner Luftverschmutzung, zum Beispiel nach einem Vulkanausbruch, kann der Mond sogar zu jeder beliebigen Zeit wirklich blau erscheinen. Das aber hat mit Romantik leider gar nichts zu tun. Was blaut – was bleibt? Am 30. Juni 2007 ist Blauer Vollmond. Da heißt es dann Sinatra auflegen und einen Blue Curacao im Glas mixen, und auch wenn der Mond standhaft gelb leuchtet, wird einem hoffentlich blau ums Herz. Alexander Soucek
Ergebnis des ÖWF-Fotowettbewerbs |